Zeit
Helmut Brandt: ohne Titel


 
Das Altern wird zum Prozess von demütigenden, untröstlichen Kränkungen. Auf dem Wartegleis zum Tod verkümmern wir zur Bedeutungslosigkeit.

"Das Altern, mit dem das Nicht und »Un« unserer Existenz sich vorstellt und uns evident wird, ist eine verödete Lebensregion, bar jeden vernünftigen Trostes; man soll sich nichts vormachen. Im Altern werden wir zum weltlosen inneren Sinn reiner Zeit. Als Alternde werden wir unserem Körper fremd und seiner trägen Masse zugleich näher als je zuvor. Wenn wir die Lebenshöhe überschritten haben, verbietet uns die Gesellschaft den Selbstentwurf und wird die Kultur zur Lastkultur, die wir nicht mehr verstehen, die vielmehr uns zu verstehen gibt, daß wir als altes Eisen des Geistes auf die Abfallhalden der Epoche gehören."
Jean Améry, Über das Altern. Revolte und Resignation, 134
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