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Helmut Brandt: ohne Titel


 
"Dionysos ist zunächst dem Weibe geoffenbart, von ihm zuerst erkannt und aufgenommen, von ihm verbreitet wie durch das Schwert so durch die Lehre. Auf das Weib hat er seine Herrschaft gegründet, ihm schenkt er seine Huld, von ihm empfängt er seinen Dienst."
Frauen besitzen und verwalten das Mysterium, Männer sind davon ausgeschlossen (wie sich in der Geschichte des Pentheus zeigt).
Im Dionysoskult spiegelt sich der Übergang von der amazonischen Frauenherrschaft zu einer neuen Form der Gynäkokratie, der dionysischen.
"Ist jene mit kriegerischer Größe verbunden, so gründet sich diese wesentlich auf dem religiösen Prinzipat der Frau. Dadurch wird ihr ein zwar verborgenes, aber festeres und dauernderes Fundament gegeben. Durch die religiöse Seite seiner Natur hat das Weib zu allen Zeiten sich den mächtigsten Einfluß gesichert und die größte Macht über das Geschlecht der Männer ausgeübt."
"Jene mania der Bacchen, die uns Euripides schildert ... wurzelt in den Tiefen weiblichen Gemütslebens und wird durch die unlösbare Verbindung der beiden gewaltigsten Mächte, religiöser Erregung und sinnlicher Sehnsucht, zu der Wut einer Begeisterung gesteigert, deren taumelnder Rausch als unmittelbare Offenbarung des herrlichen Gottes erscheinen mußte."
"Durch sein Mysterium ergreift Dionysos die weibliche Seele bei ihrem Hang für alles Übernatürliche, dem Gesetzmäßigen sich Entziehende, durch seine sinnlich blendende Erscheinung wirkt er auf die Einbildungskraft, welche für das Weib den Ausgangspunkt aller seiner innern Erregungen bildet, und auf das Liebesgefühl, ohne das es nichts vermag, dem es aber unter dem Schutze der Religion einen alle Schranken durchbrechenden Ausdruck verleiht."
Johann Jakob Bachofen, Urreligion und antike Symbole,
Band 2, 79ff.
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