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Helmut Brandt: ohne Titel


 
Dionysos wollte seine Mutter Semele aus der Unterwelt der Toten holen. Auf der Suche nach dem Eingang in den Hades kam er nach Lerna. Er brauchte einen Führer, der ihm den Weg zeigte. Dafür mußte er als Preis "völlige weibliche Hingabe versprechen" (Ranke-Graves). Das war der Preis, um die Mutter zurückzuholen.
Er holte die Mutter aus der Welt der Toten, gab ihr die Unsterblichkeit und nannte sie Thyone ("die schwärmerisch Rasende").
Der Preis für die Zurückholung der Mutter:
"Als Dionysos umherirrte, um seine Mutter Semele in der Unterwelt zu suchen, traf er einen Jüngling namens Prosymnos, der sich erbot, ihm den Weg zur Unterwelt zu zeigen, wenn er ihm zu Willen wäre. Dionysos erklärte sich dazu bereit, wenn er aus der Unterwelt zurückgekehrt sei. Darauf zeigte ihm der Jüngling den Weg, und Dionysos trat den Gang zur Unterwelt an. Als er nun von dort zurückkam, war Prosymnos inzwischen gestorben. Um nun dem Toten gegenüber nicht wortbrüchig zu sein, bricht Dionysos von einem Feigenbaume einen starken Ast ab und schnitzt daraus ein männliches Glied, das er auf dem Grabe des Prosymnos aufpflanzt, so daß es aussieht, als sei es dem Toten verlangend aus dem Grabe herausgewachsen. Mit entblößtem Hintern kauert er sich danach über das Grab, führt das künstliche Glied ein, und sich ganz der Vorstellung des Liebesaktes hingebend, macht er wollüstige Bewegungen, um dem hölzernen Gliede das Versprechen einzulösen, das er dem lebenden Prosymnos nicht mehr erfüllen konnte."
Hans Licht, Beiträge zur antiken Erotik, Dresden 1924
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