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Helmut Brandt: ohne Titel


 
Das Dionysische ist die Aufgabe des Individuationsprinzips, eine Sehnsucht nach Vereinigung mit der Natur, eine Hoffnung auf die Erfüllung inzestuöser Wünsche (wie jede Sehnsucht nach Vereinigung).
"Das Element der Zerreißung und Zerfleischung, das zum Kern des Dionysosmythos gehört, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Thematik des Oralen, die für den Mythos wie für den Kult des Gottes in beherrschendem Ausmaße kennzeichnend ist."
Die Oralität besteht in der Einverleibung des geliebten Objekts und seiner eruptiven Ausstoßung. Es gibt kein Behalten zwischen Aufnehmen und Abgeben.
Diese passive Hingabe an die Grausamkeit ist eine "Regression des Inzestwunsches auf die kannibalistische Stufe".
Die Metaphern des Dionysischen sind solche des Entladens, des Aufbrechens, Erbrechens, des Gebärens. Eine Identifikation mit der Frau, der Mutter; der Wunsch, selber weiblich, Natur zu sein. Dionysos ist ein "ewig schwangerer Gott".
In der Identifizierung mit dem Weiblichen wird das Schöpferische zum Ausdruck einer phallischen, omnipotenten und bisexuellen Weiblichkeit.
Alexander Mette, Zur Psychologie des Dionysischen (1934)
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