Ansichten
Helmut Brandt: ohne Titel


 
Dionysos ist ein umherschweifender Gott. Begeistert zieht er durch die Wälder, begleitet von seinen Gefährtinnen.
Hera findet ihn in ihrer Eifersucht und schlägt ihn mit Wahnsinn. Dionysos zieht nach Ägypten und bis nach Indien. Es waren mörderische Feldzüge, in denen er Länder und Städte eroberte. Überall wo er siegte, führte er den Weinanbau ein. Bei seiner Rückkehr nach Griechenland bekämpfte er die Amazonen und tötete die meisten von ihnen.
In Thrakien stellte sich ihm der König Lykurgos entgegen. Fast wäre Dionysos von ihm besiegt worden. Dionysos strafte ihn mit Wahnsinn, sodaß er seinen eigenen Sohn mit einer Axt zerstückelte, weil er ihn für einen Weinstock hielt. Lykurgos wurde dann von seinem Volk zum Tode verurteilt, von wilden Pferden wurde er zerrissen.
In Theben verleitete Dionysos die Frauen zu wilden Ausschweifungen auf dem Berg Kithairon. Der König von Theben, Pentheus, versuchte, gegen das dionysische Treiben die hergebrachte Ordnung zu retten. Zur Strafe zerriss ihn im dionysischen Wahnsinn seine Mutter Agaue, die ihn für einen Löwen hielt und stolz seinen Leichnam als Jagdbeute nach Theben brachte.
Dionysos brachte denen, die sich ihm entgegenstellen, die Vernichtung wie eine Wiederholung seines eigenen Schicksal: die Zerstückelung. Er löste die bestehende Ordnung auf, überschritt Grenzen, zerstörte Einheiten, brachte das Unterschiedene zusammen.
Und das ist das Göttliche schlechthin.
Name  PW