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Helmut Brandt: ohne Titel

 
Pavese lässt Opheus berichten, dass er sich vorsätzlich nach Eurydike umgedreht habe, kurz bevor er mit ihr zusammen das Reich der Toten hätte verlassen können. Er habe sich für ein Leben ohne sie entschieden, weil er begriffen habe, dass seine Klage um ihren Verlust nicht sie gemeint habe.
"Eurydike, die ich beweint habe, war eine Zeitspanne des Lebens. Ich suchte eine Vergangenheit, die Eurydike nicht kennt. Und diese ging mir auf zwischen den Toten, während ich meinen Gesang ertönen ließ. Ich habe gesehen, wie die Schemen starr wurden und mich mit hohlen Augen anschauten, wie die Klagen verstummten, Persephone sich das Antlitz bedeckte - trotzdem finster-gefühllos - und Hades wie ein Sterblicher sich vorstreckte und lauschte. Ich habe begriffen, daß die Toten nichts mehr sind."
"Indem sie starb, wurde Eurydike etwas anderes. Jener Orpheus, der hinabstieg zum Hades, war nicht mehr Gatte noch Witwer. Mein Wehklagen von damals war wie das Klagen, das man als Knabe anstimmt und beim Zurückdenken belächelt. Die Zeit ist vorbei. Ich suchte, als ich wehklagte, nicht mehr sie, sondern mich selbst. Ein Schicksal, wenn du so willst. Ich hörte mir zu."
Cesare Pavese, Gespräche mit Leuko, 97ff.
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