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Helmut Brandt: ohne Titel


 
Jedes Jahr fanden in Eleusis, nordwestlich von Athen, Mysterienfeiern zu Ehren der Demeter und der Persephone statt, im Herbst große, im Frühjahr kleine. Wer an ihnen teilnahm, mußte Schweigen bewahren darüber, was er erlebte. Aber aus Andeutungen in überlieferten Texten und aus archäologischen Funden läßt sich ihr Hergang weitgehend rekonstruieren.
Nach kultischen Vorbereitungen zogen die Menschen - jährlich bis zu 3000 - auf der 22km langen heiligen Strasse von Athen nach Eleusis. Priester trugen an der Spitze des Zuges ein Bild von Dionysos/Iakchos.
Die Mysterien bestanden aus Szenen, die sich auf die Geschichten von Demeter und Persephone, und auf die des Dionysos bezogen.
Demeter wurde die Tochter vom Totengott Hades geraubt, und in ihrer Trauer ließ sie die Erde unfruchtbar werden. Eine Magd (Iambe oder Baubo) löste ihre Trauer mit mit einem obszönen Scherz. Mit diesem Scherz wurden die Mysten begrüßt.
Die zur Weihe bestimmten Jünglinge tanzten in Mädchenkleidern wie Dionysos die Geschichten von Demeter, Persephone und Dionysos.
Demeter verlor ihre Tochter Persephone an den Totengott Hades. Im Rhythmus des Jahres kehrte sie für einige Zeit zu ihrer Mutter zurück. Eine Geschichte vom Sterben und von der Wiederauferstehung, der Entstehung des Lebens aus dem Tod, ebenso wie die Geschichte des Dionysos. Und in beiden Fällen geht es um ein göttliches Kind.
Zur Verschränkung beider Geschichten paßt es, daß in einigen Erzählungen Demeter als die Mutter des Dionysos gesehen wird.
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