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Helmut Brandt: ohne Titel


 
Die orphischen Mythen erzählen, daß Dionysos das Kind von Zeus und Persephone war. Die eifersüchtige Hera veranlaßte, daß die Titanen das Kind beim Spielen überraschten und töteten. Sie zerstückelten Dionysos und verzehrten ihn. Nur sein Herz wurde von Athene gerettet und aus ihm entstand Dionysos neu. Die Titanen tötete Zeus mit seinem Blitz und aus der entstandenen Asche schuf Zeus das Menschengeschlecht.
Da die getöteten Titanen den Dionysos gegessen hatten, enthalten die Menschen in sich das Titanische und das Dionysische, das Zerstörerische und das Göttliche. Der Mensch ist gespalten in das Gute und das Böse.
Die Orphiker lehrten, man müsse das Titanische im Menschen besiegen und das Dionysische befreien. Das Titanische war für die Orphiker der Körper, das Dionysische die Seele. Der Körper ist das Grab der Seele. Die Seele war zu befreien von der Schuld des Körpers, des Lebens. Dafür gab es Regeln der Sühne und der Reinigung. Fleisch zu essen war verboten, denn man glaubte an die Möglichkeit der Wiedergeburt der Seele in einem Tierkörper, wenn sie noch nicht entsühnt war. Entsprechend mußten die Opfer an die Götter unblutig sein (Trank- und Rauchopfer).
Die Einhaltung der Vorschriften im Diesseits versprach Glückseligkeit im Jenseits. Das Leben war eine Vorbereitung auf den Tod.
Die orphische Religion hielt sich bis in die Spätantike und man kann vielleicht sagen, daß wesentliche Inhalte von ihr in das Christentum einflossen.
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