Selbst
Helmut Brandt: ohne Titel

 
Menschen im Laufe unseres Lebens zu verlieren, sei es bei Trennungen, aufgrund auseinanderlaufender Lebenswege oder durch den Tod, nimmt uns jeweils ein Stück von unserer Ganzheit. Die Leerstellen, die entstehen, müssen neu besetzt werden. Wie bei Krücken, die wegbrechen, (ge)brauchen wir einander als Ersatzstützen für den weiteren Weg. Wir rotieren wie Tänzer mit wechselnden Partnern und verfremden dabei.

"Es ist ein Skandal, wie wir die verlorenen Gestalten unseres Lebens ersetzen, wie wir uns bemühen, die Leere zu füllen, wie wir uns nie damit abfinden, daß der Bestand sich verringert, ohne den wir uns schlecht ertragen und uns kaum halten können, und wie wir uns zugleich dafür hergeben, stellvertretend die leeren Plätze einzunehmen, die man uns im Lauf der Zeit zuweist, denn wir begreifen diesen Mechanismus und haben Teil an ihm, an dieser ständigen, universalen Rotation, die alle und damit auch uns erfaßt, und so akzeptieren wir, daß wir Imitate sind und mehr und mehr von ihnen umgeben leben."
Javier Marķas, Dein Gesicht morgen. 1 Fieber und Lanze, 31
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