"Jeden Morgen erwachen wir als genau dieselben, und umsonst haben die Träumer der Antike behauptet, nie gehe ein und derselbe Mensch zweimal durch die gleiche Tür. Die Wahrheit ist, daß jeder Mensch dazu verurteilt ist, in ein und demselben Körper zu leben, durch ein und dieselben Augen zu sehen und bis zum Tode mit Hilfe ein und desselben Gehirns zu denken und nachzusinnen. Die kunstreich erdachte Qual der menschlichen Identität erzeugt eine Hölle, die viel schrecklicher ist als der glutheiße Ort, den sich der Aberglaube erfand. In alle Ewigkeit derselbe zu sein, das ist für alle tiefer veranlagten Geister unerträglich. Aus sich heraustreten, ein andrer werden – ist das nicht einer der klügsten Träume, die der Mensch je geträumt hat?"
Julien Green, Wenn ich du wäre, 54

Unsere Identität ist ein Gefängnis, ihr entspricht ein ritualisiertes Leben mit einem engen Spielraum und endlosen Wiederholungen.
Aber was ist dann der Traum, ein anderer zu werden? Es ist vielleicht weniger ein Traum, als vielmehr ein schmerzender Bruch in unserer Selbsterfahrung – eine Inkonsistenz, die sich durch Identität und Ganzheit nur über eine Selbsttäuschung schließen lässt.

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